Nadine Hartmann: Drei Arten, „Nein“ zu sagen (Vortrag)

31.05.26
14:45 Uhr
Vorträge & Lesungen
Nadine Hartmann (© Joe Dilworth)
Nadine Hartmann (© Joe Dilworth)

Der Psychoanalytiker Jacques Lacan hat Freuds Begriff der Kastration weiter gefasst: nicht als fehlendes Organ, sondern als Mangel im Subjekt, als Einsicht, nicht vollständig, nicht unverwundbar zu sein. Doch wie geht man um mit der Absage an das „Verlangen, alles zu sein“ (Georges Bataille)? Nur mit Schwierigkeiten: Verdrängung, Verwerfung, Verleugnung – das sind die Formen, die der psychische Mechanismus der Verneinung annehmen kann. Was sich in diesen unterschiedlichen Prozessen erkennen lässt, ist dass das „Nein“ nichts Ursprüngliches, sondern immer Resultat einer Umarbeitung ist, das dann „positiv“ etwas vom Unbewussten bewusstwerden lässt, wenn es gedeutet wird.

Die Verleugnung, die Freud zuerst in der Perversion des Fetischismus erkannte, ist die vielleicht rätselhafteste Variation der Verneinung: ich weiß, dass es ein anderes Geschlecht gibt, aber ich glaube nicht daran. Oder, wie sich für die Politik des Megalomanen angesichts von Katastrophen formulieren ließe: Wir wissen, dass wir sterben müssen, aber wir glauben nicht daran.

Der Vortrag will fragen, wie sich diesem Mechanismus, der vor einer Anerkennung, in jedem Fall aber von einer Identifizierung mit der Verwundbarkeit des Subjekts zurückschreckt, politisch und ästhetisch begegnen lässt.

Prof. Dr. Nadine Hartmann arbeitet als Psychoanalytikerin in Berlin und vertritt seit dem Sommersemester 2025 die Professur für Future Philosophy und Szenarien im Bereich Kunst- und Medienphilosophie an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Davor war sie Gastprofessorin für Kunstwissenschaft und Ästhetik an der Universität der Künste Berlin und Dozentin u.A. an der Kunsthochschule Weißensee und der Leuphana Universität Lüneburg. Sie ist Mitbegründerin der Berliner Schule für Psychoanalyse und arbeitet als Supervisorin bei Pulsion: The International Institute for Psychoanalysis and Psychosomatics (New York). Sie hat Texte zum theoretischen Werk Georges Batailles, zur feministischen Differenzphilosophie und zur Psychoanalyse Freuds und Lacans veröffentlicht. 2025 ist ihr Buch Denken wie ein Mädchen - Figuration, Fil(l)iation, sexuelle Differenz bei Turia & Kant erschienen.

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