Moon Youngchae

07.07.26 – 12.08.26
Partner: Dong-A University, Busan, KR

Moon Youngchae studiert derzeit im Abschlussjahr Bildende Kunst an der Dong-A University in Busan, Südkorea.

Ihre künstlerische Arbeit ist ein Prozess der Beobachtung jener unsichtbaren Strukturen, die den Menschen und die Gesellschaft umgeben, sowie der Erforschung der Spuren, die sie in unserer Wahrnehmung und unseren Sinnen hinterlassen. Individuum und Gesellschaft, Bewusstes und Unbewusstes sowie Begehren und Normen sind keine voneinander getrennten Bereiche; vielmehr beeinflussen sie sich fortwährend gegenseitig und bilden ein miteinander verwobenes Ganzes. Mit unterschiedlichen Materialien und Ausdrucksformen macht sie die Spannungen und Spuren sichtbar, die innerhalb dieser Beziehungen entstehen.

Im Zentrum ihres Interesses stehen Empfindungen und Ordnungen, die durch ihre Vertrautheit nahezu unsichtbar geworden sind. Werte und Normen, die innerhalb einer Gesellschaft als selbstverständlich gelten, haben sich über lange Zeiträume hinweg wiederholt und prägen unser Denken, Handeln und körperliches Empfinden. Ihre Arbeiten gehen von einer einzelnen Fragestellung aus, die diese verborgenen Ebenen freilegt und dazu einlädt, das Vertraute mit einem neuen Blick zu betrachten.

In ihrer künstlerischen Praxis sind Materialien nicht bloß Mittel des Ausdrucks, sondern Teil des Denkprozesses selbst. Alltägliche Materialien lösen sich von ihren ursprünglichen Funktionen und Bedeutungen und entwickeln neue sinnliche Qualitäten. Zufällige Begegnungen und Veränderungen, die während des Arbeitsprozesses entstehen, begreift sie als wesentlichen Bestandteil ihrer Werke. Sie achtet die Zeitlichkeit und Materialität der verwendeten Stoffe und versteht die in ihnen eingeschriebenen Spuren als zentrale Elemente ihrer künstlerischen Arbeiten.

Für Moon Youngchae ist ein Kunstwerk kein abgeschlossenes Objekt, sondern ein offener Prozess, in dem Bedeutung fortwährend neu entsteht. Mit seiner Fertigstellung endet das Werk nicht; vielmehr tritt es in Beziehung zu Raum, Betrachter und Zeit und eröffnet dadurch neue Interpretationen. Anstatt eine eindeutige Antwort vorzugeben, möchte sie Räume schaffen, in denen Betrachter ihre eigenen Erfahrungen und Wahrnehmungen einbringen können. Kunst versteht sie als einen Ort der Reflexion, der dazu anregt, sowohl unser Menschsein als auch die Gesellschaft, in der wir leben, neu zu betrachten.

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