NEIN! Boris Lurie und NO!art

26.04.26 – 07.06.26
Boris Lurie (Foto: Sam Goodman © Boris Lurie Art Foundation)
Boris Lurie (Foto: Sam Goodman © Boris Lurie Art Foundation)

Anlässlich ihrer Wiedereröffnung nach Abschluss der baulichen Maßnahmen zur Verbesserung der Barrierefreiheit präsentiert die Kebbel Villa in Zusammenarbeit mit der Boris Lurie Art Foundation die Ausstellung NEIN! Boris Lurie und NO!art.

Die Eröffnung der Ausstellung und die Wiedereröffnung der Kebbel Villa finden am So, 26. April 2026 um 11 Uhr statt. Es sprechen:

  • Andreas Feller, Oberbürgermeister der Stadt Schwandorf
  • Jürgen Dehm, Leiter der Kebbel Villa
  • Stephanie Stebich, Executive Director der Boris Lurie Art Foundation

Im Anschluss: Konzert-Vortrag mit Werken von Komponisten wie Erwin Schulhoff, Kurt Weill, Ernest Bloch und John Williams sowie jiddischen Volksliedern

Boris Lurie (1924 Leningrad, UdSSR – 2008 New York, US) wuchs in Riga, Lettland, auf und überlebte das Ghetto von Riga sowie die Konzentrationslager Stutthof und Buchenwald. Seine Mutter, seine Großmutter, seine jüngere Schwester und seine Jugendliebe wurden 1941 beim Massaker von Rumbula ermordet. 1946 wanderte Lurie mit seinem Vater in die Vereinigten Staaten aus, wo er bis zu seinem Tod 2008 in New York lebte und arbeitete. Er beschrieb sich selbst als „privilegierten“ Überlebenden, sah sich nie in der Rolle eines Opfers, doch die Auseinandersetzung mit Gewalt, Machtmissbrauch und kollektiver Ohnmacht prägte sein künstlerisches Schaffen.

Als weitgehend autodidaktischer Künstler entwickelte Lurie eine kompromisslose Bildsprache, die Collage, Malerei, Fotografie und Assemblage verband. Indem er wiederholt Motive des Holocaust den dunklen Facetten der Konsumkultur gegenüberstellte, schuf er Werke von eindringlicher politischer und sozialer Provokation.

1959 gründete zusammen mit Sam Goodman und Stanley Fisher die NO!art-Bewegung – eine radikale Strömung gegen Pop Art, kommerzialisierte Avantgarde und die Konsumfixierung des amerikanischen Kapitalismus. Unter programmatischen Titeln wie Doom, Involvement oder Vulgar behandelten ihre Ausstellungen Themen wie Imperialismus, Rassismus, Sexismus, Konsumismus, Krieg, Völkermord und nukleare Bedrohung. Kunst sollte dabei nicht nur ästhetisch wirken, sondern als soziale Intervention verstanden werden. 

Die Ausstellung in der Kebbel Villa zeigt zentrale Werke aus verschiedenen Schaffensphasen Luries, beginnend mit seiner frühen „War Series“ ab 1946. Erstmals öffentlich präsentiert werden eine Reihe von Luries Arbeiten, in denen das deutsche „NEIN“ im Zentrum steht. Ergänzt wird die Präsentation durch ausgewählte Werke seiner NO!art-Kollegen Goodman und Fisher.

Luries Arbeiten wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland gezeigt, darunter im Museum of Jewish Heritage, New York (2022), im Kunstmuseum Riga Bourse (2020), im Jüdischen Museum Berlin (2016) und in der Galerie Agnès B., Paris (2003). Nach seinem Tod trugen Forschungs- und Ausstellungsstipendien sowie die Boris Lurie Art Foundation zur Erhaltung und internationalen Sichtbarkeit seines Werkes bei.

Ein Ausstellungskatalog mit Texten von Rudij Bergmann, Jürgen Dehm, Georg Imdahl und Dietmar Rübel in deutscher und englischer Sprache befindet sich in Vorbereitung und wird zur Finissage am 7. Juni 2026 präsentiert.

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